Das Problem

Wo Lebensmittel produziert, verarbeitet oder verkauft werden, haben Hygiene und Ehrlichkeit oberste Priorität. Selbstverständlich. Doch wie überall gibt es auch hier Betriebe, die sich nicht an die Regeln halten wollen. Nicht nur ihre Kunden sind die Dummen, sondern auch die große Mehrheit der Unternehmen, die es sich einiges kosten lässt, sauber und ehrlich zu arbeiten.

Jahr für Jahr muss jeder vierte besuchte Betrieb von den Amts-Kontrolleuren beanstandet werden. Gleich, ob Restaurant, Bäckerei, Café, Supermarkt oder Fleischerei. Mal sind es nur Lappalien, mal wird billiges Imitat als Edel-Schinken verkauft und mal tanzen in der Küche die Kakerlaken Polonaise. Gäste und Kunden erfahren das nicht: Die Behörden bewahren über die Kontrollergebnisse Stillschweigen. Das ist nicht nur schlecht für die Verbraucher, sondern auch für alle anderen Betriebe: Denn wer sauber bleibt, ist von den Schmuddelbetrieben nicht zu unterscheiden. Und hat sogar einen großen Wettbewerbsnachteil, weil Hygiene und Ehrlichkeit Geld kosten, das andere sich sparen.

Die Lösung

Dänemark zeigt wie es gehen könnte: Alle Ergebnisse von Lebensmittelkontrollen werden dort veröffentlicht. Im Internet – und bei Betrieben mit Kundenverkehr auch direkt vor Ort an der Tür der Betriebe. So kann jeder sehen, wer hygienisch und ehrlich arbeitet und wer nicht.

Gezeigt wird der detaillierte Kontrollbericht mit einer Stellungnahme des Betriebs. Und eines von vier Smileys, vergeben als Fazit der Kontrolle: Lacht das Gesicht, gab es keine oder auch nur kleinere Beanstandungen, schaut es traurig, deutet dies auf ernste Mängel hin. Dazwischen gibt es zwei Abstufungen:
 

Die Kontrolle hat keine Beanstandungen ergeben.

Bestimmte Regeln müssen besser beachtet werden (Ermahnung).

An das Unternehmen wurde durch die Kontrollbehörde eine Verfügung oder ein Verbot ausgesprochen.

Das Unternehmen hat eine Strafverfügung erhalten oder wurde an die Polizei gemeldet.

Dies ist das dänische Bewertungsschema, das auch für Deutschland als Vorbild dienen könnte. Zudem hat Dänemark für Betriebe, die bei vier aufeinanderfolgenden jährlichen Kontrollen die beste Smiley-Wertung erhalten haben, das „Elite-Smiley“ eingeführt. Eine besondere Auszeichnung für einen Betrieb, der dann auch seltener kontrolliert wird.

 

Der Effekt ist klar: Ein lachendes Smiley lockt Kundschaft zu den sauberen und ehrlichen Betrieben und belohnt all die, die es verdient haben. Und die Kunden wissen, worauf sie sich einlassen. Und auch die Arbeit der Behörden wird transparent: für Unternehmen und Verbraucher gleichermaßen.

Nach zwölf Jahren Smileys sind in Dänemark auch die allermeisten Lebensmittelunternehmen erklärte Fans dieses Systems. Denn vom Smiley profitieren alle – außer den unbelehrbaren Schmuddelbetrieben.

Die Smiley-Offensive

Deutschland hat sich an Dänemark noch kein Beispiel genommen.

93 % der Verbraucher sind für das Smiley-System. Der Verband der Lebensmittelkontrolleure ist dafür. Etliche Politiker sind dafür. Und sicher auch viele Betriebe. Dennoch fehlt es nach wie vor an einer Gesetzesgrundlage, die das Smiley-System in ganz Deutschland rechtssicher möglich macht.

Daher hat die Verbraucherorganisation foodwatch die Smiley-Offensive ins Leben gerufen: Wir glauben, dass die meisten potentiell „betroffenen“ Gastronomen, Hoteliers und Lebensmittelhändler sich auch selbst einen fairen Wettbewerb wünschen und ihre Gäste oder Kunden gerne wissen lassen, wie es in ihrer Küche oder hinter ihrer Theke aussieht.

Sind Sie Gastronom, Hotelier, Lebensmittelhändler oder -hersteller und vom Smiley-System ebenso überzeugt wie wir? Dann werden Sie Teil der Smiley-Offensive und bekennen Sie sich mit Ihrem Namen zur Einführung des dänischen Systems. Helfen Sie mit, Deutschland zu einem Land des Lächelns zu machen!

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Noch Fragen?

Betriebe mit unhaltbaren hygienischen Zuständen werden geschlossen - warum braucht es dennoch das Smiley-System?

Da eine Betriebsschließung einen schwerwiegenden Eingriff in die Grundrechte eines Unternehmers und die Freiheit der Berufsausübung darstellt, muss es schon sehr gute und dringende Gründe für eine Schließung geben. Diese liegen im Ermessen des zuständigen Kontrolleurs. Meist kommt es, wenn überhaupt, nur zu einer vorübergehenden Schließung, über deren Grund die Verbraucher nichts erfahren. Das Smiley-System würde hier vor allem präventiv wirken, das heißt, es schafft einen Anreiz für die Betriebe, korrekt zu arbeiten und einen Wettbewerbsvorteil für all diejenigen, die sich an die Regeln halten. Es kann behördliche Anordnungen, Bußgelder oder Strafverfahren nicht ersetzen, wird aber, wie es das Beispiel Dänemark zeigt, dazu führen, dass es viel seltener überhaupt zu Beanstandungen kommt.

Gibt es in Deutschland überhaupt genug Kontrolleure für das Smiley-System?

Die Einführung des Smiley-Systems stellt für die Behörden keinen nennenswerten Mehraufwand dar. Mehr Transparenz würde hingegen helfen, die mangelnde personelle, finanzielle und strukturelle Ausstattung der Lebensmittelüberwachung offen zu legen und diese zu verbessern. Das Beispiel Dänemark zeigt, dass bei Veröffentlichung der Kontrollergebnisse die Zahl der Beanstandungen deutlich zurückgeht. Die Kontrolleure können sich dem risikoorientierten Überwachungsansatz gemäß auf die verbleibenden Problembetriebe konzentrieren und die Kontrollfrequenz bei den sauber und ehrlich arbeitenden Betrieben reduzieren. Die präventive Wirkung des Smiley-Systems würde also letztlich die Effizienz der Kontrollen verbessern.

Wo gibt es das Smiley-System bereits?

Deutschlands Nachbar macht es vor: In Dänemark werden die Verbraucher seit 2001 von der Veterinär- und Lebensmittelbehörde leicht verständlich über Lebensmittelsicherheit und Hygienekontrollen informiert – per Aushang direkt in den Betrieben. Ein Smiley-Symbol informiert jeden Besucher auf einen Blick über die Bewertung, außerdem enthält der Bericht detaillierte Angaben zu den Ergebnissen der Kontrolle, Anmerkungen des Kontrolleurs sowie die Daten der letzten Kontrollbesuche. Zusätzlich werden alle Kontrollergebnisse im Internet veröffentlicht. Nicht nur die Verbraucher sind vom System überzeugt – auch 88% der „betroffenen“ Betriebe halten das System inzwischen für eine „gute“ oder gar „sehr gute“ Idee.

Andere ziehen nach: Auch im kanadischen Toronto und in New York hat sich ein vergleichbares System bereits etabliert. Die Veröffentlichung der Kontrollergebnisse zeigt andernorts deutliche Erfolge: so ist die Quote der beanstandeten Betriebe in Dänemark seit der Einführung des Smileys von knapp 30% auf gut 15% gesunken, in Toronto seit Einführung des dortigen „Dine Safe“-Systems, das mit Farbsymbolik arbeitet, gar von 50% auf 10%.

Bringt das Smiley-System die Gefahr, dass wegen einer Bagatelle wie einem falsch aufgehängten Handtuch ein negatives Smiley in der Tür hängen muss?

Nein, kleinere Mängel führen nicht zu einem negativen Smiley. In Dänemark erhalten die Betriebe beispielsweise erst ein trauriges Smiley, wenn Strafverfügungen erlassen wurden, die festgestellten Mängel müssen also schon erheblich sein. Nur wirkliche Schmuddelbetriebe müssen also fürchten, durch den traurigen Smiley „gebrandmarkt“ zu sein. In Dänemark zeigt sich, dass diese durch günstigere Preise meist dennoch Kunden halten können. So wissen die Kunden aber zumindest, worauf sie sich einlassen.

Würde es nicht ausreichen, wenn es mehr Kontrolleure gäbe und einfach mehr kontrolliert werden würde?

Die Zahl der Beanstandungen ist hierzulande seit vielen Jahren konstant, auch mehr Kontrollen würden daran kaum etwas ändern. Denn solange die Verbraucher nichts von einem Vergehen erfahren ist es für die Schmuddelbetriebe billiger, ein (meist eher niedriges) Bußgeld zu zahlen, als dauerhaft in (meist kostspieligere) Eigenkontrollsysteme, Schadstoffanalysen oder Hygieneschulungen zu investieren. Nur mit dem transparenten Smiley-System haben diejenigen Betriebe, die sauber und ehrlich arbeiten, auch einen Wettbewerbsvorteil gegenüber denen, die an der Hygiene sparen oder ihren Gästen Gammelfleisch unterjubeln.

Ist es nicht unfair, wegen einer Momentaufnahme ein Unternehmen so an den „Pranger“ zu stellen?

Das Smiley-System ist kein „Pranger“, sondern eine Auszeichnung für ehrliche und saubere Betriebe. Alle Lebensmittelhersteller, Restaurantbetreiber, Bäcker, Fleischer etc. sind verpflichtet, zu jeder Zeit alle Vorgaben des Lebensmittelrechts einzuhalten. Die Kontrollen dienen dazu, das Einhalten dieser Vorgaben zu überprüfen. Jederzeit, unangemeldet und naturgemäß stichprobenartig. Wer mit Lebensmitteln arbeitet, sollte die Anforderungen jederzeit erfüllen – eine „ungünstige Momentaufnahme“ sollte es daher in diesem sensiblen Bereich nicht geben.

Natürlich ist ein trauriges Smiley schlecht fürs Geschäft. Und genau das ist ja das Ziel. Denn jeder Betrieb wird sich schon im Vorfeld der Kontrolle bemühen, gar nicht erst ein trauriges Smiley zu erhalten. In Dänemark beispielsweise gelingt das den meisten auch. Und wer sich nicht an die Regeln hält, wer an der Hygiene spart oder das Formfleisch als Schinken deklariert, der muss eben damit leben, dass der Gast oder Kunde dann auch davon erfährt.

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